FACHARZTPRAXEN DR. K. Plab und R. Plab EBERSBERG
Interessante Fachinformationen:
Wirkung von Antidepressiva und Neuroleptika im Zentralen Nervensystem
Funktionsweise der Neurotransmission/Signalübertragung im Zentralen Nervensystem
Die Signalübertragung im gesamten Nervensystem erfolgt mittels Nervenleitung und über Kontaktpunkte zwischen den Zellen, die sog.Synapsen . Kommt ein Signal (elektrischer Impuls über Ast der Nervenzelle) an der Synapse an, wird der Überträgerstoff in den (synaptischen) Spalt zwischen den Zellen ausgeschüttet, und bewirkt damit einen (postsynaptischen) Impuls an den Rezeptoren der folgenden Nervenzelle (erregend oder hemmend). Hierbei liegt im Gehirn ein Netz von ca. 10 Milliarden Neuronen , die über 1014 Synapsen komplex miteinander verschaltet sind, vor. Je nach Rezeptortyp werden unterschiedliche Folgereaktionen ausgelöst, z.T.werden weitere Systeme aktiviert (sog.second-messenger-systeme).Die Ausschüttung wird über feed-back Mechanismen (automatische Rückmeldesysteme) gesteuert. Die Rezeptoren unterliegen einer bedarfsweisen Anpassung, so kann z.B. die anhaltende Aktivierung eine Verringerung der Anzahl von Rezeptoren oder eine Verminderung der Empfindlichkeit der Rezeptoren bewirken. Die Transmitter werden “nach Gebrauch” entweder wieder aufgenommen oder abgebaut, z.T.diffundieren sie in den Interzellulärraum.
Ca.50 Neurotransmitter sind bekannt: Katecholamine (Nor-/Adrenalin, Dopamin) Serotonin, Histamin, AcH, Gaba, Glutamat und viele andere. Die katecholaminergen Systeme machen ca. 10% aus, Gaba ist z.B. mit 30% Häufigkeit der wichtigste hemmende Transmitter. Eine Vielzahl von Untertypen von Transmittersystemen ist bekannt, beispielsweise im dopaminergen System 5 verschiedene Rezeptortypen (D1, D2, D3, D4, D5).
Die Häufigkeit der Transmittersysteme korreliert mit bestimmten Zentren im Gehirn, serotonerge Systeme sind z.B. im Mittelhirn häufig, dopaminerge in großen Bahnsystemen in Mittelhirn und Zwischenhirn.
Neben Transmittern beeinflussen v.a. Neuropeptide die Übertragung. Typische Vertreter sind Opioide, Neurotensin, CRH,etc. Damit beschäftigt sich die Psychoneuroendokrinologie (z.B. mit den Substanzen der Hyphophyse und NebenNierenrinde).-
Viele Befunde deuten darauf hin ,dass eine Ungleichgewicht in neuronalen Netzen, die Überträgerstoffkonzentrationen in den Synapsen betreffend, psychische Erkrankungszustände mit sich bringen, also eine “kybernetische Dysbalance” für psychische Erkrankungen verantwortlich sein könnte.Grundlagen der PsychopharmakawirkungPsychopharmaka modulieren, d.h. hemmen oder fördern die Neurotransmission , somit fördern oder hemmen sie die Ausschüttung von Überträger (Boten-) Stoffen an den Synapsen im Nervensystem. Die Wirkung einer Substanz auf verschiedene Rezeptoren bestimmt nicht nur das Wirkungs- sondern auch das Nebenwirkungsprofil. So bewirkt beispielsweise die Hemmung des AcH-Rezeptors durch Antidepressiva auch Mundtrockenheit, Obstipation, Hemmung des Histaminrezeptors Gewichtszunahme und Müdigkeit, Hemmung von alpha-Rezeptoren Blutdruckabfall und Schwindel.
NeuroleptikaDer wesentliche Wirkmechanismus der NL ist die Beeinflussung der Neurotransmission des Dopamin. NL blockieren die Wirkung von Dopamin am synaptischen Rezeptor, dabei bevorzugen unterschiedliche NL auch unterschiedliche Rezeptorsysteme. Besonders die Bindung an D2 Rezeptoren ist mit der neuroleptischen Potenz verbunden.- Weiter binden NL an Serotonin, Noradrenalin, Histamin und AcH - Rezeptoren. Interessanterweise verursachen NL auch eine Änderung der Rezeptorzahl z.B. eine Zunahme von D2-Rezeptoren.Experimentell löst die Gabe von NL auch eine vermehrte Genexpression für Rezeptoren aus.
Vielleicht bedingt dies eine “Übersensibilität” der entsprechenden Rezeptoren für Dopamin und somit Dyskinesien.
AntidepressivaAuch die Antidepressiva sprechen unterschiedliche Transmittersysteme an, und zeigen somit verschiedenste Wirkungen und auch Nebenwirkungen. Im Wesentlichen finden sich angstlösende, dämpfende, stimmungsaufhellende und aktivierende Wirkungen.Wesentliche Transmittersysteme sind die adrenergen (noradrenergen) und serotonergen.Bei längerer Gabe werden auch durch AD die Rezeptorempfindlichkeiten und Anzahl verändert,bzw. angepasst.Mao-Hemmer führen zu einer erhöhten Konzentration von Transmittern im synaptischen Spalt .Andere Systeme werden ebenfalls am Rande beeinflußt, beispielsweise führt Trimipramin zu einer erhöhten Cortisolausschüttung.
Seitenblick auf KoffeinKoffein gehört zu den sog. Methylxanthinen, kommt in den Gewächsen Coffea, Thea, Cola und Ilex (Mate-Tee) vor.-Es wirkt v.a. auf die Hirnrinde, blockiert die Adenosin-Rezeptoren. Die Wirkung zeigt verschwindende Ermüdung, Steigerung von Merk- und Denkfähigkeit, Aktivierung und somit beispielsweise auch Schlaflosigkeit. Die Gefäße von Haut, Niere und Herz werden erweitert (!). Noradrenalin im Gehirn und Adrenalin in den Nebennieren wird freigesetzt. Dadurch können Gefäße im Gehirn verengt werden. © Dr.K.Plab 6/2000